{"id":69,"date":"2018-07-24T21:19:45","date_gmt":"2018-07-24T21:19:45","guid":{"rendered":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/?page_id=69"},"modified":"2018-07-24T21:20:46","modified_gmt":"2018-07-24T21:20:46","slug":"rameaus-hierarchisierung-der-akkordvarianten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/?page_id=69","title":{"rendered":"Rameaus Hierarchisierung der Akkordvarianten"},"content":{"rendered":"<p>Rameaus grosses Verdienst ist es, dass er die Anzahl m\u00f6glicher Grundelemente der Musik drastisch reduziert. Er tut dies, indem er viele bis zu seiner Zeit als unterschiedlich angesehene Akkorde auf andere zur\u00fcckf\u00fchrt: Er erkennt, dass man die Aufschichtung einer Terz und einer Quart als eine andere Form einer Aufschichtung zweier Terzen ansehen kann, n\u00e4mlich als deren <em>Umkehrung<\/em>. Drei Formen von Akkorden kann er so auf eine einzige reduzieren, die jeweils eine Funktion \u00fcbernimmt: Zur Grundstellung kommen die Umkehrungen Sextakkord und Quartsextakkord. Sie bilden eine wohldefinierte, endliche und \u00fcberblickbare Menge an Grundelementen.<\/p>\n<p>Rameau entwirft auch ein Regelwerk der musikalischen Grammatik. Vereinfacht gesagt: Akkorde d\u00fcrfen nicht so zusammengef\u00fcgt werden, dass zwischen ihren Konstituenten Oktav- oder Quintparallelen entstehen. Quartsextakkorde d\u00fcrfen nicht \u00abaufgel\u00f6st\u00bb werden, das heisst, sie m\u00fcssen in einen Akkord in Grundstellung \u00fcbergef\u00fchrt werden, dessen Grundton dem tiefsten Ton des Quartsextakkordes entspricht, und so weiter. Es gibt dar\u00fcber hinaus Regeln wie, dass der Schluss einer Komposition aus der Folge eines Akkordes und eines eine Quart h\u00f6her angesiedelten Akkordes (einer Kadenz) bestehen muss, oder dass auf Septimenakkorde bestimmte andere Akkorde folgen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Grammatikmetapher kann weitergef\u00fchrt werden: Akkord-Grundstellungen lassen sich als eine Art Wortgrundformen auffassen und ihre Umstellungen als Konjugationen oder Deklinationen, V-I-Kadenzen als \u00abPunkte\u00bb am Ende eines \u00abSatzes\u00bb. Wesentlich weiter sollte man allerdings nicht gehen, denn man muss nicht beweisen, dass es eine musikalische Grammatik <em>gibt<\/em>, oder eine solche sogar scharf definieren. Ein solches Unternehmen f\u00fchrt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter bloss in Schwierigkeiten, die einerseits darin liegen, dass die wesentlichen Elemente nicht genau definiert sind, andererseits an der Tatsache kranken, dass in der Musik die entscheidenden Regeln nicht absolut verbindlich oder scharf festgelegt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rameaus grosses Verdienst ist es, dass er die Anzahl m\u00f6glicher Grundelemente der Musik drastisch reduziert. Er tut dies, indem er viele bis zu seiner Zeit als unterschiedlich angesehene Akkorde auf andere zur\u00fcckf\u00fchrt: Er erkennt, dass man die Aufschichtung einer Terz und einer Quart als eine andere Form einer Aufschichtung zweier Terzen ansehen kann, n\u00e4mlich als deren Umkehrung. Drei Formen von Akkorden kann er so auf eine einzige reduzieren, die jeweils eine Funktion \u00fcbernimmt: Zur Grundstellung kommen die Umkehrungen Sextakkord und Quartsextakkord. Sie bilden eine wohldefinierte, endliche und \u00fcberblickbare Menge an Grundelementen. Rameau entwirft auch ein Regelwerk der musikalischen Grammatik. Vereinfacht gesagt: Akkorde d\u00fcrfen nicht so zusammengef\u00fcgt werden, dass zwischen ihren Konstituenten Oktav- oder Quintparallelen entstehen. Quartsextakkorde d\u00fcrfen nicht \u00abaufgel\u00f6st\u00bb werden,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":53,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-69","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/69","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/69\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71,"href":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/69\/revisions\/71"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/53"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/musikphilosophie.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}